22.4.2017

Landesjägertag 2017 - Konzerthaus Weinviertel, Ziersdorf

Presseartikel downloaden

71. Landesjägertag 2017 in Ziersdorf (Bezirk Hollabrunn):

Bilanz über das Jahr 2016 und spannende Themen für die Jagd in Niederösterreich

 

„Als Landesjägermeister von Niederösterreich stehe ich für eine unteilbare Jagd! Ob Arbeiter oder Angestellter, ob Bauer oder Selbstständiger, ob Eigenjagdbesitzer oder Jagdpächter, ob Berufsjäger oder Freizeitjäger – alle sind Bestandteil unserer Jagd. Die Jagd ist für mich eine Einheit! Die Jagd dürfen wir uns auch nicht von außen spalten lassen“. Mit diesem Aufruf eröffnete der niederösterreichische LJM DI Josef Pröll den formellen Teil des 71. Landesjägertages 2017, der am 22. April im Konzerthaus Weinviertel in Ziersdorf stattfand.

 

Ziersdorf, 22. April 2017: Am Samstag trafen sich die Delegierten der niederösterreichischen Jägerinnen und Jäger beim 71. NÖ Landesjägertag in Ziersdorf, um gemeinsam Bilanz über das vergangene Verbands- und Jagdjahr zu ziehen und die kommenden Herausforderungen für die Jagd in Niederösterreich zu diskutieren. Im Mittelpunkt des Landesjägertages standen neben rein jagdlichen Themen aus dem Jahr 2016 aber auch neue Herausforderungen.

 

Stadt und Land driften langsam auseinander

„Wir Jäger befinden uns heute genau mitten im Thema „Ländlicher Raum contra Großstadt“. Dort geht es um Verstädterung, um Entfremdung und um Entfernung von der Natur. Reagiert wird in der Großstadt darauf in Form von zeitgeistigen Outdoor-Aktivitäten und „mit einer Vermenschlichung der Natur und der Tierwelt“, zeigte LJM Pröll eingangs die schwierige Situation des oft fehlenden Verständnisses der Städter für die traditionellen Bewirtschaftungsformen auf.

 

Zur aktuellen Diskussion über Jagdfreistellungen erinnerte LJM Pröll nachdrücklich an das Erkenntnis unseres Höchstgerichtes Verfassungsgerichtshof vom letzten Jahr. Der VfGH hatte in einem Gesetzesprüfungsverfahren des Kärntner Jagdgesetzes, dessen Bestimmung in diesem Punkt gleichlautend mit dem NÖ Jagdgesetz ist, erkannt, dass es nicht verfassungswidrig ist, wenn auf einem Grundstück, das nicht wilddicht eingezäunt ist, Jagd stattzufinden hat und vom Grundeigentümer zu dulden ist. Damit hat sich der VfGH für das geltende „Genossenschaftsjagdsystem“ ausgesprochen – und auch festgestellt, dass die Jagd nicht im privaten Interesse – gleichsam als private Belustigung – stattfindet, sondern dass die Jagd in einem gesellschaftspolitischen Interesse flächendeckend im ganzen Bundesland abläuft – zum Wohl des Waldes, des darin lebenden heimischen Wildes, nach den Regeln des Landesjagdgesetzes.

 

Jagd in NÖ: politisch, kulturell und sozial gut verankert

„Die Jagd ist in NÖ politisch, kulturell und sozial gut verankert und arbeitet mit allen wichtigen Institutionen und Interessenvertretungen konstruktiv, sachorientiert, transparent und von gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung getragen – sohin traditionell gut – zusammen“, dankte LJM Pröll auch allen niederösterreichischen Institutionen, der Exekutive, den Interessenvertretungen, vor allem der Landwirtschaftskammer und sämtlichen Partnern, allen voran dem NÖ Agrar- und Naturschutz-Landesrat und neuen LH-Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf.

 

Keine überraschenden Schwankungen bei allen Wildarten – ausgenommen ein „massiver“ Rückgang beim Feldhasen

Rehwild – die Hauptwildart der NÖ Jager– verzeichnete einen 1%igen Anstieg auf 75.505 Stück, zogen der Landesjägermeister Bilanz.

 

Ein Plus von 6 % konnte auch beim Gamswild mit 1.393 Abschüssen verzeichnet werden. Die Strecke beim Rotwild entwickle sich, nach starken Eingriffen in den Vorjahren, mit 8.292 erlegten Stücken leicht rückläufig.

Beim Schwarzwild lag die Strecke mit 19.380 Stück leicht hinter dem Vorjahr. „Eine im Sinne der Landwirtschaft nötige, größere Strecke könnte aber nur bei „Witterungsglück (Schnee im November und Dezember)“ und gleichzeitig bei konsequenter Ausschöpfung aller gesetzlich erlaubten Möglichkeiten erzielt werden“, erläuterte der Landesjägermeister.

 

Beim Niederwild-Tief lagen der Fasan mit 24.275  Stück (minus 4 %) und ebenso das Rebhuhn mit 759  Rebhühnern (plus 10 %) im Rahmen der normalen Schwankungsbreiten. Einzig beim Feldhasen  konnten die niederösterreichischen Jäger mit der Strecke 2016 nicht zufrieden sein. Die Feldhasenstrecke ging – wohl ausgelöst durch die Pasteurellose um 31 % auf nun noch 45.580 Feldhasen zurück.

Erfolgreich war auch die Beutegreiferbejagung. 21.330 erlegte oder gefangene Füchse, die gemeinsam mit anderen Beutegreifern auf den Niederwildbesatz Einfluss nehmen, konnten die niederösterreichischen Jäger 2016 erbeuten.

 

50 Jahre Wildökolandaktion – seit 1967 – eine Erfolgsgeschichte

 

Ein Erfolgsmodell feiterte 2016 seinen 50. Geburtstag: die Wildökolandaktion. Entstammend aus der Ödlandaktion im Jahr 1966 wurde schon 1967 vom NÖ LJV erkannt, dass nur über den intakten Lebensraum die heimischen Wildtiere nachhaltig „sicherbar“ sind, und dass an Stelle von Individualschutz vielmehr nur der Populationsschutz über den gesunden und intakten Lebensraum Wirkung zeigen kann. Seit 1967 wurden über 3.800 Projekte auf 1.600 Hektar Fläche mit rund 4 Millionen Sträuchern und Bäumen im Werte von 2,6 Millionen Euro gefördert. Damit konnten unzählige unproduktive Flächen für die Landschaft richtiggehend möbliert werden. Der Beitrag ist besonders in jenen Regionen von großer Bedeutung, wo wenig Landschaftselemente vorhanden sind.

 

Der Wolf ist im Vormarsch – und bekommt laufend Zuwachs in NÖ

 

Ein wichtiges Thema, das mit Unsicherheit und Ängsten, mit Gerüchten und Vermutungen zu tun hat, ist die Tatsache, dass sich der Wolf in NÖ zurückgemeldet hat und auch für Zuwachs gesorgt hat.

Die Gerüchte über Wolfs-Auswilderungen reißen nicht ab, und die Ängste der Bevölkerung, die wirtschaftlichen Existenzängste der Weidewirte und die Sorge der Jägerschaft um das heimische Rotwild werden vor allem von der Bevölkerung in den Städten nicht ernst genommen und belächelt.

 

„Wir Jäger sehen die Rückkehr des Wolfes mit Respekt und großer Sorge, weil es um die Frage der Landnutzung – also um das Grundeigentum geht. Wird eine extensive Landwirtschaft (Viehhaltung) in unserem Sinne durch Wolfsrudel unmöglich gemacht? Ist die Gesellschaft bereit, den unmittelbar Geschädigten Ausgleich für die Schäden durch Wölfe zu leisten? Oder müssen Weidewirtschaft und Jägerschaft die Sonderopfer allein tragen, nur damit unsere Gesellschaft sich über die Tatsache, dass es wieder Wölfe bei uns gibt, freuen kann?“, so Landesjägermeister DI Josef Pröll bei seinen Ausführungen am Landesjägertag.

 

Und LJM Pröll weiter: „Ein wenig erinnert mich die Wolfs-Situation an jene des Bibers, wo vor einigen Jahren Auswilderungen beklatscht wurden, und jetzt – ein paar Jahre später – der Biber auf Grund der hohen Schäden vom Naturschutz bewirtschaftet werden muss! Und dazu werden dann die Jäger gerufen. Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer wird der Jagdverband für ein geordnetes Management auch des Wolfes eintreten! Es kann nicht sein, dass der Wolf zu 100% TABU erklärt wird, und die Weidewirtschaft und extensive Formen der Landwirtschaft untergehen. Oder heimisches Rotwild aus ganzen Regionen verschwindet. Politisch droht eine Entwertung der Grundstücke, wenn künftig keine Jagdpächter mehr in Regionen gefunden werden, wo Wölfe in größeren Rudeln heimisch sind!“

 

Der mit einer Eustachiusmesse in der Pfarrkirche, die die Jagdhornbläsergruppe Buchberg unter Landeshornmeister Prof. Johann Hayden feierlich gestalteten, eröffnete 71. Landesjägertrag 2017 schloss nach der Vollversammlung, einem Mittagessen mit Wild aus der Region und einem anschließenden umfangreichen Rahmenprogramm am Heldenberg mit der Verabschiedung im Konzerthaus Weinviertel am späten Nachmittag.

 

Fotocredit: NÖLJV/Dieter Nagl /Abdruck Honorarfrei

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Niederösterreichischer Landesjagdverband

Dr. Peter Lebersorger             

Tel.: 01/ 405 16 36 – 0

e-mail: jagd@noeljv.at